Jean Muller - Mozart-Zyklus im Cube 521

Erwachsene:18.00€ / Gruppe:15.00€ / < 26 Jahren:9.00

W. A. Mozart - Sämtliche Klaviersonaten, Konzert 1. Im Rahmen des Klenge Maarnicher Festival 2015.

Programm

Sonate Nr 1 C-Dur KV 279
Allegro
Andante
Allegro
In dieser C-Dur-Sonate sind es besonders das schöne lyrische Andante und der frische, an Haydn erinnernde Finalsatz, die die Sonate liebenswert machen, während der erst Satz mit seinen stark figurierten und präludierenden Elementen noch nicht den Melodiereichtum zeigt, der die späteren Sonaten auszeichnet. Der Aufbau ist transparent und einfach, und eine Überraschung bietet nur die Neuanordnung der Themen in der Reprise nach einer relativ ausgedehnten Durchführung. Alle drei Sätze stehen in Sonatenform. Im Finale stimmt der zweite Gedanke, mit dem auch die Durchführung beginnt, rhythmisch mit dem Finalsatz-Motiv von Haydns F-Dur-Sonate Hob. XVI/23 überein – ein Grund für die Annahme, dass Mozart Joseph Haydns sogenannte Kurzböck-Sonaten gekannt haben dürfte.

 

Sonate Nr 6 D-Dur KV 284
Allegro
Rondeau en Polonaise (Andante)
Tema con variazioni
Diese Sonate ist von Mozart für einen Freiherrn Thaddäus von Dürnitz geschrieben worden; sie wird daher oft als „Dürnitz-Sonate“ bezeichnet. Der Flöte und Klavier spielende Baron blieb Mozart allerdings die übliche Remuneration schuldig, weshalb Mozart die Sonate später mit einer Widmung an die Gräfin von Cobenzl veröffentlichte.
ERSTER SATZ   Diese sechste Sonate ist zweifellos das bedeutendste und brillanteste Werk im Zyklus. Sie ist auch sicher jene Sonate, von der Mozart seinem Vater schrieb, dass sie auf den Hammerklavieren von Stein in Augsburg „so unvergleichlich herauskommt“. Etwa anderthalb Seiten einer ersten Niederschrift des Beginns mit leicht abweichender Thematik strich Mozart durch und begann auf derselben Seite die endgültige Fassung zu notieren. Zum ersten Mal zeigt sich in diesem Klavierwerk in der Themenanlage ein Zug ins Große, ins Orchestrale. Die Tremoli in den Takten 13 16 ebenso wie der unisono-Charakter des Hauptgedankens klingen fast wie der Klavierauszug eines imaginären Orchester-Tuttis. Auch im weiteren Verlauf des Satzes ist deutlich ein Gegensatz zwischen Tutti und Solo zu erkennen. Bemerkenswert ist das zarte, einstimmig beginnende Seitenthema (Takt 22 ff.), das eine jener harmonischen Lieblingsformeln beinhaltet, die Barock und Klassik verbinden, nämlich absteigende Sextakkorde („Gegenstücke“ sind zum Beispiel das Seitenthema des zweiten Satzes aus Bachs „Italienischem Konzert“ oder das Seitenthema in Glucks Ouvertüre zu „Iphigenie auf Tauris“). Darauf erfolgt erneut ein Tutti-Einwurf (Takt 30 ff.). In der Durchführung wird ein weiter Kreis von Moll-Tonarten berührt, bevor (in Takt 72) die Reprise einsetzt.
ZWEITER SATZ   Den zweiten Satz, ein Andante, bezeichnete Mozart als „Rondo en Polonaise“. Wie im ersten Satz der vorhergehenden G-Dur-Sonate haben im Thema dieses Rondeaus die Anfangstakte dialogartigen Charakter und es ist reizvoll zu sehen, in welcher Weise Mozart diese vier Takte im Laufe des Satzes koloriert und variiert. Die Kontrastwirkungen dieser Rede und Gegenrede wird in diesem Satz noch durch sorgfältige dynamische Vorschriften unterstrichen.
DRITTER SATZ   Das Finale dieser Sonate ist ein virtuos fröhlicher Variationen-Satz im Gavotte-Rhythmus, der – bis auf die Adagio-Variation – wie das Rondeau tanzartigen Charakter zeigt. Mozarts besondere Kunst der Variierung zeigt sich hier von der brillantesten Seite. Man wird zudem an das Wort Edwin Fischers erinnert, „Mozart müsse wohl Champagner in den Adern“ gehabt haben. Unser spezielles Interesse verdient die Adagio-Variation, die im Autograph in einer relativ wenig verzierten Fassung steht und von der wir annehmen können, dass Mozart sie beim eigenen Vortrag der Sonate je nach Lust und Laune auszierte. Eine dieser Auszierungen erschien noch zu Mozarts Lebzeiten (1784) in Wien im Druck und lehrt uns, wie Mozart ornamentierte. Sie stammt nämlich sicherlich von Mozart, denn es ist keineswegs anzunehmen, dass die verzierte Version des Erstdrucks vom Stecher des Wiener Verlegers Torricella komponiert wurde. Auch bei den übrigen Sätzen dieser Sonate lässt sich ja feststellen, dass Mozart sie für die Drucklegung überarbeitete und mit genauen dynamischen Angaben versah. Da die ornamentierte Erstdruck-Fassung der unverzierten Autograph-Version vorzuziehen ist, sollte sie stets (und übrigens nie zu langsam!) gespielt werden.

Pause
 

Sonate Nr 3 B-Dur KV 281
Allegro
Andante amoroso
Rondeau (Allegro)
ERSTER SATZ   Diese Sonate ist ein relativ unbekanntes, aber bezauberndes Werk. Sie steht in jener Tonart, die Mozart für Klavierwerke mehr als alle anderen geschätzt zu haben scheint – gibt es doch gleich drei Klaviersonaten und nicht weniger als vier Klavierkonzerte und sechs Sonaten für Klavier und Violine in B-Dur! Reizvoll ist der Kontrast zwischen Sechzehntel-Triolen und Zweiunddreißigstel-Noten im Thema des ersten Satzes. Diese Sonate kommt übrigens besonders gut auf Hammerflügeln der Zeit Mozarts mit ihrem zarten, klaren und obertonreichen Klang zur Geltung. Wenn sie auf einem modernen Klavier gespielt wird, besteht die Gefahr, dass die Durchsichtigkeit des Klanges und die vorgeschriebene, kleingliedrige und lebhafte Artikulation verlorengehen.
ZWEITER SATZ   Der Mittelsatz der Sonate gehört zu den anmutigsten Stücken des jungen Mozart. Die Tempovorschrift hieß im Autograph ursprünglich Andantino, sie wurde von Mozart in Andante amoroso geändert, eine Anweisung, deren Befolgung die zarte und innige Stimmung erzeugt, die so gar nichts mit einer pathetischen Liebeserklärung zu tun hat. Gefühlvolle „Seufzer“ wechseln mit zarten Cantabile-Melodiephrasen.
DRITTER SATZ   Meisterhaft gestaltet ist auch das schöne Schlussrondo im Gavotten-Rhythmus, weniger filigran als die vorhergehenden Sätze, dafür aber voll fröhlicher Laune und prachtvoller Effekte, wie etwa jenem, der bei der Wiederkehr des Themas durch die Triller-Begleitung in Takt 114 ff. entsteht. Das Thema dieses Rondos ist übrigens zweiteilig, wobei der zweite Teil eine „veränderte Reprise“ im Sinne Carl Philipp Emanuel Bachs, also eine variierte Wiederholung des ersten Teils ist. Die italienischen, in Mannheim beliebten „Seufzer“ im dritten Takt des Themas tauchen in der ersten Episode wieder auf. Es folgt als nächstes eine Moll-Episode, die vor allem in ihrem zweiten Teil einen Wehmuts-Gedanken in das heitere Geschehen bringt, während die dritte Episode das graziöse Spiel durch einen dramatisch zerlegten verminderten Septakkord im forte (Takt 102 104) unterbricht. Mit einer heiter-zierlichen Coda schließt der Satz, der nicht nur formal mit den Finalsätzen der Sonaten KV 332 und KV 570 und des Konzerts KV 238 verwandt ist.
 

Sonate Nr 4 Es-Dur KV 279
Adagio
Menuetto I-II
Allegro
ERSTER SATZ   Diese Sonate fällt dadurch auf, dass sie – ebenso wie KV 331 – nicht mit einem lebhaften oder schnellen Satz beginnt, immerhin allerdings anders als die A-Dur-Sonate mit einem Satz in Sonatenform, einem lyrischen Adagio, das mit einem ausdrucksvollen dreitaktigen Thema in polyphon geführtem dreistimmigen Satz anfängt. Dieser Gedanke fehlt in der Reprise und kehrt erst in der Coda wieder. Der „Themen“-Nachsatz ist ein zwar andersgearteter, aber ebenfalls melodiöser Gedanke, der zweimal auf verschiedenen Stufen wiederholt wird und danach zu einem Halbschluss auf der Dominante führt. Ein graziöses „Seitenthema“ (wenn man es so nennen will) setzt in Takt 9 ein. Es ist eigentlich nur ein zweiteiliges Motiv, das wiederholt wird, um unmerklich in die Schlussgruppe zu gleiten. Die kurze Durchführung beginnt mit dem abgewandelten Kopfmotiv und einem spannungsgeladenen Sekundakkord, dem zwei dramatisch wirksame kurze Crescendo-Steigerungen folgen. Trotz seiner kleinen Dimensionen ist dieser Satz ein echtes, meisterhaftes Mozart’sches Stück, formvollendet und ausdrucksvoll. Mozart hat ihn selbst auch ungewöhnlich sorgfältig mit Artikulationszeichen und dynamischen Hinweisen versehen, die natürlich Beachtung verdienen, wobei allerdings nicht vergessen werden darf, dass die Lautstärke dem zur graziösen Rokoko-Zeit üblichen Rahmen angepasst werden sollte.
ZWEITER SATZ   Diesem lyrischen Adagio folgt als Kontrast ein fröhliches Menuett, dessen Trio – als Menuett II bezeichnet – verhältnismäßig ausgedehnt ist und etwas für Mozart selten „Urwüchsig-Volkstümliches“ zeigt, womit es deutlich an österreichische Tanz-Traditionen anknüpft. (Auch Beethoven hat übrigens in seiner Sonate op. 49 Nr. 2 oder in seinem Septett op. 20 ähnliche Menuette geschrieben).
DRITTER SATZ   Der letzte Satz, ein lebhaftes, frisches, aber doch graziöses Allegro im Zweivierteltakt und in Sonatenform beschließt diese originelle und trotz ihres bescheidenen Umfanges zu Recht als Meisterwerk geltende Sonate.
 

Sonate Nr 12 F-Dur KV 332
Allegro
Adagio
Allegro assai
ERSTER SATZ Die F-Dur-Sonate KV 332 beginnt ähnlich wie die F-Dur-Sonate KV 280 im Dreivierteltakt. Das kantable Anfangs-Thema dehnt sich im Nachsatz ungewohnt aus und wird von einer Fülle melodiöser Gedanken gefolgt, von denen manche an Haydn erinnern (Takt 13 ff.). An diesem Satz lässt sich wieder einmal keine Lehrbuch-Analyse demonstrieren, obwohl die Hauptmerkmale der Sonatenform wie die Dreiteilung in Exposition, Durchführung und Reprise natürlich vorhanden sind und auch der Tonarten-Plan annähernd zutrifft – sieht man von der stürmischen d-Moll-Passage und der Modulation nach c-Moll vor dem Eintritt des „Seitenthemas“ im regulären C-Dur ab. Aber eine Fülle origineller Einfälle, wie die Hemiolen-Bildung in Takt 64/65, der Beginn der Durchführung mit einem neuen thematischen Gedanken, etc., zeugen von Mozarts Freiheit in der Anwendung der Sonatenform.
ZWEITER SATZ   Im darauffolgenden Adagio in B-Dur zeigt sich Mozarts Kunst im Variieren der Wiederholungen. Wie so oft hat er gerade bei solchen Sätzen noch kurz vor der Drucklegung einige ornamentale Bereicherungen angebracht. Eine zweimalige dramatische Moll-Wendung bringt eine ernste, fast tragische Note in diesen sonst eher idyllischen Satz.
DRITTER SATZ   Der ungewöhnlich ausgedehnte Schluss-Satz in Sonatenform ist einer der virtuosesten und schwierigsten Klavierstücke Mozarts. Allein an der Setzweise dieses Satzes kann man erkennen, dass Mozart der größte Pianist seiner Zeit gewesen sein muss. Der 6/8-Takt-Rhythmus nimmt so manche Passage der späteren „Jagdfinale“ einiger Klavierkonzerte (zum Beispiel KV 450, 456, 482) vorweg.
 

Texte aus:
Mozarts Klaviersonaten
von Paul und Eva Badura-Skoda
G. Henle Verlag


 


 

Cube 521 1-3, Driicht, Marnach, Luxembourg

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