Konstellationen

Erwachsene:25.00€ / Gruppe:20.00€ / < 26 Jahren:12.00

Renaissance Theater Berlin. Schauspiel von Nick Payne. Deutsch von Corinna Brocher. Mit Suzanne von Borsody und Guntbert Warns. Ein raffiniert konstruiertes Zwei-Personenstück um eine große Liebe - in all ihren Variationen. Evening Standard Theatre Award als "Bestes Stück 2012".

Regie: Antoine Uitdehaag
Ausstattung: Momme Röhrbein
Musik: Het Palais von Boem

„Was wäre, wenn …?“ Diese Frage hat sich sicherlich jede/r von uns schon einmal gestellt. Was wäre, wenn ich eine andere Entscheidung getroffen, etwas anderes gesagt hätte, um eine andere Ecke gebogen wäre? Wäre alles anders, wenn ich früher bzw. später bzw. gar nicht …??? Leider kann man nie wissen, was sich verändert hätte, wenn… Schließlich hat man nur das eine Leben, den einen Moment. Aber als Gedankenspiel ist es schon reizvoll, wenn man alle Möglichkeiten durchspielt und die lineare Folge von Aktion und Reaktion aushebelt. Und genau das passiert auf äußerst witzige Weise in „Konstellationen“.

Eine Frau trifft einen Mann. Sie werden ein Paar – oder auch nicht. Nur ein anderes Wort, ein anderer Blick kann entscheidend dafür sein, wie und ob es überhaupt weiter geht. Hier befinden wir uns plötzlich in einem Multiversum, in dem sämtliche vorstellbaren Ereignis-Varianten gleichzeitig nebeneinander existieren. Und diese parallelen Wirklichkeiten werden uns auf der Bühne hintereinander vorgeführt: Bei einer Grill-Party begegnet der bodenständige Imker Roland der intelligenten Quantenphysikerin Marianne. Das ist die Ausgangssituation, von der aus sich etwas entwickelt (oder eben nicht). Wir erleben Roland und Marianne in einer Reihe von verschiedenen Beziehungs-Situationen – erstes Treffen, erster gemeinsamer Abend, Heiratsantrag, Seitensprunggeständnis und Trennung, nach einer Krankheitsdiagnose, zufälliges Wiedersehen – und das in allen möglichen Variationen: Mal kommen die beiden beim allerersten Treffen nicht über ein, zwei Sätze hinaus, mal sind sie Feuer und Flamme; mal schickt sie ihn, nachdem sie ihn bereits zu sich in die Wohnung eingeladen hat, gleich wieder nach Hause, mal kommt es zum ersten Kuss und mehr; später hat er mal eine Rede vorbereitet, die in einen Heiratsantrag mündet, mal vergisst er den Zettel und muss improvisieren; mal gesteht sie eine Affäre, mal er… „Konstellationen“ ist spielerisch-witzig, schlägt aber auch ernstere Töne an, beispielsweise wenn das Thema Tod ins Spiel kommt. Dann stellt sich natürlich auch gleich die Frage nach Schicksal oder Zufall, nach Gott – und nach der Zeit, die einem noch bleibt. Oder ist Zeit nicht nur relativ, sondern im Grunde unerheblich? Marianne sagt gegen Ende des Stücks einen interessanten Satz: "Die Grundgesetze der Physik kennen weder Vergangenheit noch Gegenwart. Zeit ist irrelevant auf der Ebene von Atomen und Molekülen. Wir haben alle Zeit, die wir jemals hatten. Du wirst immer noch all unsere Zeit haben. Wenn ich... Wenn... Wenn... Es wird weder mehr noch weniger davon geben. Wenn ich weg bin.“ Und dann beginnt alles wieder neu bei einem unverhofften Wiedersehen in einer Tanzschule… „Konstellationen“ unterhält, ohne banal zu sein und berührt, ohne pathetisch zu werden.


Der Autor Nick Payne
Von der Presse wird er gefeiert, vom Publikum geliebt, der junge britische Shootingstar (Geburtsjahr 1984). Er studierte an der University of York und an der Central School of Speech and Drama in London, bevor er zu den Auserwählten gehörte, die in das Royal Court Young Writer’s Programme aufgenommen wurden. Sein 2009 am Bush Theatre in London erfolgreich uraufgeführtes Stück „If There Is I Haven’t Found It Yet“ erhielt den renommierten George-Devine-Award 2009 und kam im November 2012 als Off-Broadway Produktion mit Hollywoodstar Jake Gyllenhaal in New York heraus. Paynes Bühnenwerk „Wanderlust“ hatte 2010 am bekannten Londoner Royal Court Theatre Premiere und heimste ebenfalls viel Kritikerlob ein. Payne war sogar Anwärter für den Evening Standard Award als "Vielversprechendster Dramatiker des Jahres 2010", musste sich aber der jüngeren Britin Anya Reiss („Spur of the Moment“) geschlagen geben. Nach einem Auftragswerk für das Bush-Theatre-Projekt „Sixty Six Books“ (2011) schrieb Payne das Stück, mit dem er auch international den Durchbruch schaffte: „Constellations“, das bisher in 14 Sprachen übersetzt wurde. Die Uraufführungsproduktion mit Sally Hawkins und Rafe Spall (Regie: Michael Longhurst) wurde nach einer ersten Aufführungsserie am Royal Court Theatre (Upstairs) mit großem Erfolg auch am Duke of York’s Theatre im Londoner West End gezeigt. Für dieses Stück erhielt Payne 2012 den Evening Standard Best Play Award und eine Nominierung für den Olivier Award in der Kategorie Bestes Neues Stück. Weitere Stücke folgten: 2013 „The Same Deep Water As Me“, 2014 „Blurred Lines“, „The Art of Dying” und „Incognito”. Die Uraufführungsproduktion des letztgenannten Werks wurde in Newcastle, Oxford und beim High Tide Festival in Aldeburgh gezeigt, bevor es am Londoner Bush Theatre mit einer ständig ausverkauften Vorstellungsserie reüssierte. Ein Riesenerfolg für Payne war auch die Broadway-Premiere von „Constellations“ 2015 am Samuel J. Friedman Theatre mit Jake Gyllenhaal und Ruth Wilson (erneut Regie: Michael Longhurst), die ausschließlich beste Kritiken bekam. Diese Produktion war 2015 auch für den Drama League Award in der Kategorie "Herausragende Produktion eines Broadway-Stücks" nominiert.

Neben seiner Bühnentätigkeit schreibt der Dramatiker auch Drehbücher für BBC Radio sowie fürs Fernsehen, u. a. zwei Episoden der fünfteiligen BBC-Serie „The Secrets“ (2014) sowie eine Adaption des Romans „The Sense Of An Ending“ von Julian Barnes (2016 mit Jim Broadbent, Charlotte Rampling u. a. verfilmt). Derzeit arbeitet er an einem Auftragswerk für das Royal Court Theatre und den Manhattan Theatre Club bzw. die Alfred P. Sloan Foundation: ein neues Stück über den mit dem Nobelpreis ausgezeichneten Mathematiker Paul Dirac. Gleichzeitig ist er Playwright in Residence am Donmar Warehouse.

Der zündende Funke für „CONSTELLATIONS“: Die Idee zu „Constellations“ speist sich aus persönlichen Erlebnissen des Autors, der mit diesem Stück über unendliche Paralleluniversen und endlose Möglichkeiten unbewusst auf den Tod seines Vaters reagiert. Nick Payne: »Auf eine romantische Art und Weise liebte ich die Idee, dass es ein anderes Universum geben könnte, in dem mein Vater noch lebte, in dem es uns beiden gut ginge und wir glücklich wären. Das Konzept eines Multiversums ist erstaunlich, aber auch irgendwie grausam, weil ich diese anderen Universen niemals erleben werde. Ich stecke in diesem Universum fest – ohne ihn.«

Pressestimmen

Payne ist zweifelsohne einer der hellsten Funken in unserer Dramatiker-Landschaft. Fiona Mountford, Evening Standard, 20.1.2012

Das Stück schwingt sich auf zu echter Ernsthaftigkeit – emotionaler und philosophischer gleichermaßen. (…) Was zunächst bloß ein cleverer theatraler Zaubertrick zu sein schien, wurde ein tief bewegendes Theatererlebnis. Libby Purves, The Times, 20.1.2012

„Constellations“ ist ein hinreißendes, faszinierendes Theaterjuwel.
Julie Carpenter, Daily Express, 20.1.2012

Eine Liebesgeschichte, die Vorstellungen von Zeit erkundet. Oder (...) ein Blick auf Theorien über Zeit, der in Form einer Liebesgeschichte daherkommt.
Susannah Clapp, The Observer, 22.1.2012

Ich weiß, es ist erst Januar, aber sollte ich dieses Jahr ein genialeres, berührenderes und intellektuell durchdringenderes Stück als „Constellations“ sehen, müsste ich sehr viel Glück haben. (…) Nick Paynes Stück (…) ist verspielt, intelligent und birst vor Ideen, baut aber gleichzeitig auch einen starken emotionalen Sog auf. In früheren Werken wie „Wanderlust“ oder „If There Is I Haven’t Found It“ kündigte sich Payne als Dramatiker voll Mitmenschlichkeit, Vitalität und Potential an. Hier macht er einen Quantensprung mit einem Stück, das den Vergleich mit Tom Stoppard, Michael Frayne und Caryl Churchill in Höchstform nicht zu scheuen braucht. (…) Sein Stück ist so lustig und menschlich wie es intellektuell präzise ist.
Charles Spencer, The Daily Telegraph, 20.1.2012

Ein Geschenk des Himmels. Matt Wolf, International Herald Tribune. 25.1.2012

Der Clou an dem Stück ist, dass der Autor schwere Themen federleicht nimmt. Maxie Szalwinkska, The Sunday Times, 29.1.2012

Zur deutschen Erstaufführung in Hamburg:

Große Emotionen, Witz, Schwung. Prädikat: arg unterhaltsam. Jan Kahl, BILD, 26.11.2014.

Nachdem der ‚letzte Schrei’ unter Autorinnen und Autoren im Theater lange die ‚Dekonstruktion’ war, also die radikale Auflösung von Rollen und Strukturen im Theater-Text, ist derzeit eine andere Entwicklung zu beobachten – verschärftes Augenmerk wird wieder auf die besonders intelligente, ja trickreiche Struktur von (…) Stücken gelegt. Die Französin Yasmina Reza etwa erregte viel Aufmerksamkeit mit „Drei Mal Leben“ – in drei verschiedenen Versionen erzählte sie in diesem viel gespielten Stück ein- und dieselbe Geschichte; mit immer neuem Schluss. Der Engländer Nick Payne geht noch weiter: „Constellations“ besteht fast ausschließlich aus immer wieder variierten Miniatur-Szenen; das Stück könnte in jedem Moment eine andere Richtung einschlagen.
Michael Laages, Deutschlandradio, 24.11.2014.

Ein Hauch von Tragik umweht von Anfang an den geistreichen, unterhaltsamen Abend – eine Ahnung, die sich mehr und mehr verdichtet.
dpa, 25.11.2014.

Zur deutschsprachigen Erstaufführung in Wien:

Das Gedankenexperiment, mehrere Möglichkeiten in seinem eigenen Leben zu haben, nur eine davon jedoch leben zu können, macht nicht nur Spaß, sondern hat sicherlich auch Langzeiteffekt
Elisabeth Ritonja, www.european-cultural-news.com, 2.1.2014

Innerhalb von 70 Minuten entsteht durch simple Textmuster ein komplexes Beziehungsgeflecht, das mit seinen witzigen Dialogen oft zum Lachen reizt, letztendlich aber auch zum Weinen bringt. (…) Die Konstellationen bleiben spannend bis zum Schluss, sie vermögen ihre Attraktion tatsächlich zu bewahren.
Norbert Mayer, Die Presse, 6.1.2014

Zur Broadway Premiere:

Wer hätte gedacht, das höhere Physik so sexy sein könnte, so verständlich – und emotional aufreibend? Ben Brantley, New York Times, 13.1.2015.

Diese Theaterbombe aus der Feder des angesagten britischen Autors Nick Payne (…) läuft vor emotionalen Höhen und Tiefen geradezu über.
Marilyn Stasio, Variety, 13.1.2015

Nick Payne (…), einer der absolut begabtesten Dramatiker der neuen Generation – scharfzüngig, witzig, weise, menschlich.
Adam Green, Vogue, 16.12.2014

Klug, süffig-romantisch und großartig.
Alexis Soloski, The Guardian, 14.1.2015

Dieses Theaterstück kann auch im Rahmen des Theater-Abos, (4 Vorstellungen zur freien Auswahl zum Vorzugspreis von 77 €), zusammen mit "Matthias Brandt & Jens Thomas: Angst" (29.9.2017), "Vater" (20.10.2017), "KlangRazzia" (11.3.2018), "Das kunstseidene Mädchen" (4.5.2018), "Patrice Thibaud: Fair Play" (11.5.2018) gebucht werden.

Dauer: 1 Stunde 20 Minuten ohne Pause
© Daniel Devecioglu
 

telefonisch:
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