Man wird älter und überlegt sich: Was habe ich alles erlebt? Was kann ich noch erleben? Und lohnt es sich noch, einen Tisch für nächste Woche zu reservieren? Wenn man älter wird, stehen Veränderungen an. Zum Beispiel verlässt man seine Wohnung und gibt eine Ausweihungsparty, bei der alle Menschen zusammenkommen, mit denen man im Leben zu tun hatte. Und gibt es etwas Schöneres als einen Abend mit Kollegen und Geschäftsfreunden, Lebenspartnern und Ex-Lebenspartner, guten Freunden, alten Feinden und schlimmen Verwandten? Ja gibt’s! Ein Abend alleine! Solo! Ein Abend, an dem man überlegt, was im Leben wichtig ist und wichtig war. Und wie man am Besten alt wird ohne dass es ganz peinlich ist. In seiner leeren Wohnung, die er nun in Richtung "ebenerdiges Wohnen für Senioren" verlässt, zieht Jochen Busse kabarettistische Bilanz. In seinem schnellen, aktuellen und urkomischen Stück setzt er sich mit Themen auseinander, die ihn immer schon beschäftigt haben. Und mit Themen, die uns heute alle beschäftigen. Er springt von der großen Politik ins kleine Privatleben, vom „Faust“ zum Fernsehen, vom Prosecco zu Pommes. Und das ganze nach dem Motto: „Wie komm ich jetzt da drauf?“.
Jochen Busse
Am 19.11.2011 erhielt Jochen Busse den JÜRGEN-VON-MANGER-Preis für sein Lebenswerk. Jochen Busse, Jahrgang 41, wurde aus heute nicht mehr auszumachenden Gründen als Sohn eines hoch gebildeten, geschäftlich aber glücklosen Kleineisenwarenfabrikbesitzers in Iserlohn geboren. Noch vor dem Abitur zog es ihn zum Schauspielstudium nach München, wo er gleichsam als Werkstudent einen Komparserievertrag an den Münchner Kammerspielen annahm und auf diese Weise mit dem aufstrebenden Nachwuchs in Berührung kam. Auf eine Empfehlung hin bewarb er sich bei den „Knallfröschen“ einem zu eben dieser Zeit ins Profilager wechselnden Studentenkabarett, in dessen Ensemble ein junger Mime namens Friedrich von Thun agierte. Bei einer Gastspielaufführung im Werkraumtheater der Münchener Kammerspiele, wurde er im Jahre 1961 von Friedrich Holländer entdeckt und an das Berliner Theater in der Nürnberger Strasse für eine Kabarett-Revue verpflichtet. Nach einer schaurigen Tournee mit einem Wanderkabarett ging er für zwei Jahre an das „schlechteste Theater der Welt“, die „Schmiere“ in Frankfurt und lernte den Beruf.
Von da aus ging es zum „Rationaltheater“ nach München, wo er immerhin vier Jahre trotz katastrophalen finanziellen Verhältnissen blieb, um dann in Hongkong seinen ersten schlechten Film zu machen. Bis Mitte der 1970er Jahre lebte er als Industrie- und Gebrauchsschauspieler in München. In dieser Zeit entstanden Serien wie „Mordkommission“ der Dreiteiler „11Uhr 20 “ und andere Lohnarbeiten. Am 14. Januar 1976 trat er dem Ko(m)mödchenensemble bei, blieb drei Jahre und lebte danach in Köln, von wo aus er sich an verschiedene Komödienhäuser verpflichten lies und von wo er dann an seinem vierzigsten Geburtstag von Sammy Drechsel in die Lach & Schiessgesellschaft nach München heimgeholt wurde. Es waren die besten zehn Jahre seines Lebens.
Mit elf „Scheibenwischern“, den Livesendungen des „Lach und Schiess“ - Programmes an Sylvester, dem Spielfilm „Kehraus“ und seiner Unterhaltungssendung (heute nennt man das „Comedy“) „Nur für Busse“ wurde er einem breiten Publikum bekannt. Nach der Wende lockte ihn wieder die Komödie und er unterschrieb bei seinem Freund René Heinersdorff und wohnte von da an für vierzehn Jahre in Köln, arbeitete davon dreizehn mit Rudi Carrell zusammen und das gerne, sodass in dieser Zeit nach „Rudis Urlaubshow “ dreihundert Folgen „Sieben Tage, Sieben Köpfe“ über den Sender gingen. Mit der Serie „Das Amt“, die vierundachtzig Mal am Freitag lief, versuchte er diejenigen Zuschauer zu versöhnen, die ihm seine Mittlerrolle bei der erfolgreichsten europäischen Late - Show übel nahmen. Henning Venske holte ihn danach zum politischen Kabarett zurück. Zusammen mit dem Akkordeonvirtuosen Frank Grischek wurden zwei erfolgreiche Programme erarbeitet: „Legende trifft Urgestein“ und „Inventur.“ Letzteres schmückt der Ehrenpreis des Dt. Kleinkunstpreises. 2012 spielte Jochen Busse an der „Komödie am Kurfürstendamm“ den Lachschlager: „In jeder Beziehung“ und gastierte mit seinem ersten (!) Solo-Programm „Wie komm` ich jetzt da drauf?“. Zuhause ist er inzwischen, wenn er es denn ist, in Berlin.
