JEAN MULLER - MOZART-ZYKLUS IM CUBE 521

Erwachsene:20.00€ / Gruppe:17.00€ / < 26 Jahren:10.00

W. A. Mozart - Sämtliche Klaviersonaten, Konzert 2.

Sonate Nr 7 C-Dur KV 309

Allegro con spirito

Andante un poco adagio

Rondeau (Allegretto grazioso)

ERSTER SATZ   Der erste Satz dieser Sonate in C-Dur ist geradezu ein Muster einer regelgetreuen „Lehrbuch“-Sonatenform. Mit der Sonatenform ist es ja ähnlich wie mit den Fugen Bachs: es gibt in den Werken der Meister keine formalen Schemata, sondern jede Sonate wandelt eine geeignetes formales Grundprinzip neu ab. Mozart hat es dabei – anders als der erfinderfreudige Haydn – verstanden, an gewissen Grundideen streng festzuhalten und trotzdem nicht in der Freizügigkeit seines Schaffens gehindert zu sein. Es gibt zum Beispiel keine einzige Sonate in einer Dur-Tonart, deren Seitenthema nicht auch tatsächlich als „Thema“ (allerdings im weitesten Sinn des Wortes) bezeichnet werden kann und das in einer anderen Tonart als der Dominate steht. Eine kurze Formanalyse mag angebracht sein um zu zeigen, wie ein „klassischer“ Sonatensatz Mozarts gebaut ist, und der erste Satz der Sonate KV 309 ist wie kein anderer dazu geeignet. Das Hauptthema, das mit einem markanten Themenkopf beginnt, dem eine „Antwort“ von vier Takten folgt, ist deutlich erkennbar. Das Motiv der fallende Quarte und aufsteigenden Sexte ist ein Lieblingsgedanke Mozarts, den er oft in Dur oder in Moll verwendete und mit dem viele seiner Themen beginnen (zum Beispiel Sonate KV 311, das h-Moll-Adagio KV 540, die Symphonien KV 114, 124 und 319/II, KV 551/II usw.). Die sieben Takte des Themas werden – wie so oft in dieser Zeit – leicht variiert noch einmal gebracht, und eine Art Abgesang schließt die erste Themengruppe in Takt 21 ab. Ein neuer Gedanke dient als Überleitung, dem in Takt 35, ähnlich wie im ersten Satz der Sonate KV 545, nach zwei Takten Vorbereitung ein zweites kantables Thema in der Dominanttonart G-Dur folgt, das aus 2 x 4 Takten besteht, also ebenfalls wiederholt wird und in eine temperamentwolle Schlussgruppe mit Passagenwerk übergeht (Takt 43), wobei der Takt 45 eine reizvolle Diminution der Takt 35/36 bringt. Fünf Takte einer „Codetta“ beschließen die Exposition. Die Durchführung bringt den Themenkopf zunächst in g-Moll und verarbeitet dann die verschiedenen Gedanken des Hauptthemas wie es zwar den Lehrbuchregeln einer Sonatenform entspricht, bei Mozart in der Praxis aber gar nicht so häufig vorkommt. Nach zweimaliger Zitierung des Themenkopfes setzt dann in Takt 94 die Reprise endgültig ein, wobei als Überraschung der Stimmtausch im einfachen Seitenthema geboten wird. Der Satz schließt nach einer nochmaligen Anführung des Themenkopfes mit einer wirkungsvollen Schlussbekräftigung.

ZWEITER SATZ   Der zweite Satz dieser Sonate ist ein inniges Andante un poco adagio, und auf ihn bezieht sich höchstwahrscheinlich eine Bemerkung Mozarts, er habe „das Andante ganz nach dem Charakter der Mademoiselle Rose Cannabich“ machen wollen. „Wie das Andante, so ist sie … ein sehr schönes artiges Madl. Sie hat für ihr alter sehr viell vernunft und gesetztes weesen; sie ist seriös, redet nicht viell, was sie aber redet, geschieht mit anmuth und freundlichkeit“.

DRITTER SATZ   Ein graziöses, hübsches einfach fließendes Rondo beschließt diese Sonate.

Sonate Nr 18 D-Dur KV 576

Allegro

Adagio

Allegretto

Nicht so „jenseitig“ im Charakter, dafür um vieles brillanter, ist die letzte der original konzipierten Klaviersonaten Mozarts, die Sonate KV 576 in D-Dur. Die Tonart ebenso wie die Taktart (6/8) weisen schon auf den Untertitel hin, den diese Sonate vor allen in den englisch sprechenden Ländern oft erhält: Jagd-Sonate (Hunt-Sonata). Wie Mozart seinem Gläubiger Puchberg brieflich mitteilte, plante er 1789 um Geld zu verdienen, sechs leichte Klaviersonaten für die Prinzessin Friederike von Preußen zu komponieren. Allerdings scheint diese Jagdsonate offenbar die einzige gewesen zu sein, die Mozart dann fertigstellte; und „leicht“ kann man sie kaum nennen. In Gegenteil, ihre Interpretation stellt hier Anforderungen an die Fingertechnik des Pianisten.

Wie in so vielen Werken Mozarts aus diesen letzten Wiener Jahren findet sich auch in dieser Sonate ein subtiles kontrapunktisches Spiel mit scheinbar einfachsten Mitteln. In der Durchführung des ersten Satzes erscheint das Thema mehrfach mit kanonischen Einsätzen, erst im Abstand von einem Takt (Takt 63/64), später von eineinhalb Takten (Takt 70) und führt dann zu einem eindrucksvollen Höhepunkt mit einer Modulation nach Fis-Dur (Takt 77 f.) und einer Rückkehr zur Haupttonart über fis-Moll (Takt 83), h-Moll und e-Moll. Nach einer kurzen Überleitung beginnt die Reprise in Takt 99, wobei in echt Mozartscher Art das Material der Exposition in neuer Reihenfolge und leicht verändert gebracht wird.

Sonate Nr 5 G-Dur KV 283

Allegro

Andante

Presto

ERSTER SATZ   Wiederum neue musikalische und pianistische Ideen bringt die besonders beliebte fünfte Sonate in der ländlich-fröhlichen Tonart G-Dur. Die einfallsreiche Vielfalt in der Melodiegestaltung dieser Sonate ist für Mozart ebenso charakteristisch wie der klare Aufbau der Sonatenform im ersten Satz, das in eine abschließende Sechzehntel-Bewegung übergeht. Vor allem auf einem Hammerflügel der Mozartzeit klingt der anschließende Unisono-Lauf (Takt 16 22) brillant und volltönig wie ein Tutti und stellt einen Klangeffekt dar, den Mozart in der verzierten Wiederholung „auskostete“ – ein Effekt, den er auch später noch gerne verwendet hat (zum Beispiel in den Variationen über ein Thema von Gluck KV 455, oder im G-Dur Klavierkonzert KV 453/I, erste Kadenz).

ZWEITER SATZ   Das schlichte Andante in C-Dur ist satztechnisch nicht anspruchsvoll, doch ist es nicht leicht zu gestalten, da die vielen Tonwiederholungen eine subtile dynamische Schattierung verlangen. Im Gegensatz zum Stirnsatz, der anstelle einer Durchführung nur einen neuen Gedanken und eine längere Überleitung zur Reprise bringt, hat der zweite Satz eine im Sinne des 19. Jahrhunderts „echte Durchführung“, die den Themenkopf erst in der Oberstimme (in d-Moll und C-Dur) und dann im Bass bringt.

DRITTER SATZ   Ein sprühendes, quicklebendiges Presto-Finale in Sonatenform beschließt diese hübsche Sonate.

Pause

Sonate Nr 2 F-Dur KV 280

Allegro assai

Adagio

Presto

ERSTER SATZ   Die zweite Sonate im Zyklus, deren Sätze ausnahmsweise alle in einem Dreiertakt stehen, zeigt schon im Hauptthema des ersten Satzes trotz der Tempovorschrift Allegro assai Cantabilität und italienische Elemente, die gerade für den jungen Mozart besonders typisch erscheinen, nämlich die Seufzer-Vorhalte in Takt 5 und 6 sowie das ausgeschriebene Rubato in Takt 8. Mozarts F-Dur-Sonaten KV 332 und KV 546 (letztere ursprünglich für Klavier und Violine geschrieben) haben manches mit der Stimmung in diesem Satz der Sonate KV 280 gemeinsam. Die Tonart F-Dur dürfte Mozart also wohl gewisse charakteristische Ideen eingegeben haben, auch wenn sich rein zeitlich gesehen hier ein sehr weiter Bogen spannt. Besonders reizvoll ist der Gegensatz innerhalb der Hauptthemengruppe zwischen den Achtel- und den Sechzehntel-Bewegungen in den ersten 12 Takten und den durchgehenden Triolen in den darauffolgenden 14 Takten.

ZWEITER SATZ   Einen der schönsten Sätze im gesamten Zyklus stellt der Mittelsatz dieser Sonate dar, ein f-Moll-Adagio im Siziliano-Rhythmus. Hier wird die zeitliche Nähe zur sogenannten „kleinen“ g-Moll-Sinfonie KV 183 spürbar. Aber noch deutlicher erkennbar ist die Verwandtschaft mit Haydns Mittelsatz der F-Dur-Sonate Hob. XVI/23, ebenfalls im Siziliano-Rhythmus und in der gleichen Tonart f-Moll komponiert – die Anklänge im Thema sind unüberhörbar. Bei der Fortsetzung des Satzes drängt sich ebenfalls der Vergleich zwischen Haydn und Mozart auf: In beiden Stücken löst sich die ursprüngliche Siziliano-Klage in eine innige As-Dur-Melodie mit durchgehender Bewegung in der Begleitung auf. Aber bei Mozart sind es ruhige, gleichmäßige Sechzehntel, während es sich bei Haydn um etwas lebhaftere Triolen handelt. Mozarts Fluss ist dadurch ebenmäßiger und auch in diesem Dur-Teil persönlicher und trauriger in der Aussage – bereits ein echt zu Herzen gehendes, individuelles Bekenntnis. Nicht nur die Tempoanweisung Adagio zeigt, dass es sich bei Mozart um die ernste Form des „venezianischen Sizilianos“ handelt (ein berühmtes, früh entstandenes Beispiel für diesen „Siziliano“-Typ ist Bachs Arie „Erbarme Dich…“ aus der Matthäuspassion); und damit spannt sich eine Brücke von diesem Anfangsthema Mozarts zu dem unendlich traurigen Mittelsatz des A-Dur-Konzerts KV 488.

DRITTER SATZ   Das Finale führt dann wieder in die fröhliche Stimmung des Stirnsatzes von KV 281 zurück. Es ist ein Presto im Dreiviertel-Takt, das erneut an Haydn erinnert, auch wenn es im Verhältnis zu den Haydn’schen Vorbildern pianistisch feiner und kontrastreicher konzipiert wirkt und der Satz auch ausgedehnter ist als die meisten Haydn-Stücke dieser Art.

Sonate Nr 8 a-moll KV 310

Allegro maestoso

Andante cantabile con espressione

Presto

Mit der a-Moll-Sonate wird plötzlich ein Abgrund aufgerissen. Alfred Einstein dürfte recht gehabt haben, wenn er annahm, dass diese Sonate unter dem Eindruck des Todes der Mutter in Paris entstanden sein muss und wenn er damit die in dieser Sonate ausgedrückte Tragik erklärt.

ERSTER SATZ   Allegro maestoso ist der erste Satz überschrieben, und er beginnt auch mit einem wahrhaft majestätischen Thema. Früher galt ja der punktierte Rhythmus als Symbol des Majestätischen und wurde von Mozarts Zeitgenossen als solches verstanden. Die unerbittlich klopfenden Akkorde der orchestralen Begleitung freilich zeigen keine festliche, sondern viel eher eine dämonische, düstere Majestät: Ein ständiges Hin und Her zwischen Aufbäumen und Resignation oder Verzweiflung charakterisiert diesen ersten Satz. Die Vorschlagsnoten im 2. und 4. Takt des ersten Thema sind sicherlich jeweils „lang“ zu nehmen. Anstelle eines zweiten Themas steht (ab Takt 23) eine durchgehende Sechzehntel-Bewegung, der eine polyphonierende Zweistimmigkeit in der linken Hand ab Takt 28 folgt. Die letzten fünf Takte der Exposition bringen nochmals den punktierten Rhythmus des Hauptgedankens. In der Durchführung bricht dann ein Sturm los, wie er nicht seinesgleichen hat, weder bei Mozart noch in der Klaviermusik seiner Zeit. Ganz ungewöhnlich ist dabei der vorgeschriebene dynamische Kontrast zwischen ff und pp und danach wieder ff, wie Mozart ihn für die drei Wellen der Durchführung vorzeichnete. Spezielle Beachtung verdienen zwei verminderte Septimenakkorde in Takt 126/127, die in der Klassik-Epoche immer Ausdruck höchster Tragik und Erschütterung bedeuteten.

ZWEITER SATZ   Wunderbar ist dann der milde Trost, das ruhige „Schreiten der Grazien“ im zweiten Satz dieser Sonate, ein Andante cantabile con espressione in F-Dur, das mit Würde zu spielen ist. Trotz einer lyrischen Grundstimmung vermittelt dieser ausdrucksvolle Satz etwas leidenschaftlich-Großartiges und ist somit weit entfernt von der warmen und graziösen Innigkeit anderer Mittelsätze in einer Dur-Tonart. Ein zweites Thema (ab Takt 15) erinnert mit seinen Tonwiederholungen im Aufbau übrigens deutlich an das Seitenthema im zweiten Satz der Symphonie KV 201. Die großartige Steigerung in der Durchführung mit dem Höhepunkt in Takt 43-49 erweckt natürlich Reminiszenzen an die Durchführung des ersten Satzes. Umso schöner ist dann die Rückkehr zum trostreichen Hauptthema und zur Reprise.

DRITTER SATZ Der dritte Satz führt wieder in die düstere Stimmung des ersten Satzes zurück, nur dass er anstelle der orchestralen Dramatik nur eine im presto-Tempo dahinhuschende schattenhafte Darstellung des tragischen Grundaffekts gibt. Anders als Beethoven kennt Mozart in den Finali seiner Moll-Sonaten und Symphonie nicht oder nur selten die Befreiung in strahlendes Dur, die Überwindung der Tragik durch die Freude. Schicksalshaft kehren die meisten seiner Moll-Stücke nach Dur-Episoden in die Stimmung des Anfangs zurück. So ist es auch hier. Dieser Presto-Satz ist eines der düstersten Stücke, die Mozart je geschrieben hat, mit einem merkwürdigen Wechsel von Aufbäumen und Verzweiflung. Nur einmal wird in diesem Satz eine subtil zarte, lichte Vision der Seligkeit in A-Dur, eine Fata Morgana, kurz sichtbar; danach kehrt die Stimmung der Verzweiflung und Resignation vom Anfang zurück. Trotzig und energisch schließt der Satz in a-Moll.

Texte aus:

Mozarts Klaviersonaten

von Paul und Eva Badura-Skoda

G. Henle Verlag

Cube 521 1-3, Driicht, Marnach, Luxembourg

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